Tag 9 (17.09.2016): SIGHET UND SĂPĂNTĄ

ERINNERUNG UND AUFARBEITUNG DES HOLOCAUST UND DES KOMMUNISMUS IN RUMÄNIEN


Dieser Tag begann mit einem Besuch im Memorial Sighet, Gedenkstätte für die Opfer des Kommunismus und des Widerstandes. Wir bekamen durch das zu einem Museum umgebaute Gefängnis eine Führung. Die ehemaligen Zellen dienten als Ausstellungsräume zu jeweils einem bestimmten Thema, was die Ausstellung zusätzlich bedrückend wirken ließ. Im Anschluss an den Museumrundgang hielten Timo Mohr und Dennis Müller ihre Referat zur Stadtgeschichte Sighets bzw. zur Securitate in Rumänien am Beispiel Sighets. Anschließend war Zeit, sich individuell um ein Mittagessen zu kümmern, ehe  es gemeinsam zum Elie-Wiesel-Haus ging. Dort erwartete uns eine Mitarbeiterin, die uns auf Englisch eine Führung durch das Haus geben sollte. Allerdings fühlte sie sich bald unwohl und befürchtete eine Schwangerschaftsübelkeit. Ein befreundeter Journalist sprang spontan ein und zeigte uns sowohl die Ausstellungsräume als auch die Stadt.

Vor dem Hotel wartete derweil der Bus auf uns, der uns danach nach Săpăntą brachte. Auf der Fahrt hielt Vikor Schneider sein Referat zur Rabbinerfamilie Spinka, die aus Săpăntą stammte. Dort angekommen besuchten wir zunächst den Fröhlichen Friedhof, für den allerdings Eintrittskarten gekauft werden mussten. Das ging jedoch recht schnell. Der Friedhof selbst war ungewöhnlich farbenfroh, wie man auf den Fotos von den Grabkreuzen sehen kann. Bis zum verabredeten Treffpunkt konnte man außerdem die vielen Souvenirstände entlangschlendern und sich womöglich ein besticktes Hemd oder ein anderes Erinnerungsstück kaufen, was auch gemacht wurde. Gegen Abend ging es zurück nach Sighet.

Sonstige Informationen:

– Textempfehlungen:
von Timo Mohr zur Stadtgeschichte Sighets:

– Ana Blandiana: Die Gedenkstätte Memorial Sighet – ein lebendiges Museum. In: Volkhard Knigge (Hg.): Der Kommunismus im Museum – Formen der Auseinandersetzung in Deutschland und Ostmitteleuropa. Köln [u.a.] 2005, S.171–180.
– Robert McAfee Brown: Elie Wiesel. Zeuge für die Menschheit. Freiburg [u.a.] 1990, S.121–129.
– Stéphane Courtois/ Patrick Moreau: Das Memorial Sighet. In: Katharina Kilzer/ Helmut Enbergs (Hg.): Geist hinter Gittern – Die rumänische Gedenkstätte Memorial Sighet. Berlin 2013, S.19–24.
– Romulus Rusan: Geschichte der Gedenkstätte für die Opfer des Kommunismus und des Widerstands. In: Katharina Kilzer/ Helmut Enbergs (Hg.): Geist hinter Gittern – Die rumänische Gedenkstätte Memorial Sighet. Berlin 2013, S.27–40.
– Alexander Zub: Eine Instituition für Rumänien: Memorial Sighet. In: Katharina Kilzer/ Helmut Enbergs (Hg.): Geist hinter Gittern – Die rumänische Gedenkstätte Memorial Sighet. Berlin 2013, S.41–45.

von Dennis Müller zur Securitate in Rumänien am Beispiel Sighets:

– Hannelore Beier: Objekt und Instrument. Die deutsche Minderheit im Fokus der Securitate. In: Joachim von Puttkamer/ Stefan Sienerth/ Ulrich A. Wien (Hg.): Die Securitate in Siebenbürgen. Köln [u.a.] 2014, S.153–169.
– Nikolaus Horn: Eine Vorladung zur Securitate. In: Hans Fink/ Hans Gehl (Hg.): “Jein, Genossen!”. Rumäniendeutsche erzählen. Vom Zweiten Weltkrieg bis zum Fall des Eisernen Vorhangs. München 2014, S.341–345.

von Viktor Schneider zur Rabbinerfamilie Spinka:

– Paul Robert Magocsi:Short History of Jews in Transcarpathia, S.1–5.

– Städteporträts:
Stadtgeschichte von Sighet

Sighet [eigentlich Sighetu Marmației, deutsch Sighet/ Marmaroschsiget, ungarisch Sziget/ Máramarossziget, ruthenisch Sihota] ist eine Stadt mit fast 40.000 Einwohnern im Kreis Maramureş im Nordwesten Rumäniens an der Grenze zur Ukraine.

Die Region um Sighet war bereits in der Bronzezeit besiedelt, die ersten Zeugnisse einer dauerhaften Ansiedllung stammen allerdings erst aus dem 11. Jahrhundert. Im Zeitraum von 1272 bis 1290 siedelte der ungarische König Lasislaus IV. (1262–1290) die ersten Rumänen dort an. Die erste schriftliche Erwähnung der Stadt als Plebanus Zygnet datiert auf das Jahr 1334. 1352 wurde die Stadt bereits eine freie Königsstadt und Hauptstadt des Komitats Máramaros. Ab 1556 war Sighet zunächst Residenzstadt des Fürsten von Siebenbürgen, 1570 bis 1733 ist es dann ein Teil des Siebenbürgischen Großfürstentums. Daran anschließend kam es unter König Karl III (1685–1740) unter die Herrschaft des Königreichs Ungarn.

Nach dem Ersten Weltkrieg regelte der Vertrag von Trianon die Zugehörigkeit Siebenbürgens zu Rumänien. Sighet wurde 1940 durch den Wiener Schiedsspruch wieder ein Bestandteil Ungarns, die Pariser Friedenskonferenz nahm die Entscheidungen beider Wiener Schiedssprüche zurück wodurch Sighet wieder rumänisch wurde.

Im April 1944 wurde in Sighet ein Ghetto errichtet, in dem schätzungsweise 14.000 Juden aus Sighet und den umliegenden Dörfern leben mussten. Bereits einen Monat später wurde die gesamte Ghettobevölkerung nach Ausschwitz deportiert und der Großteil direkt nach der Ankunft vergast. Unter den deportierten Juden aus Sighet waren auch der spätere Schriftsteller und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel und seine Familie. Er und sein Vater wurden von Auschwitz mit einem Todesmarch nach Buchenwald getrieben, wo Elie Wiesel am 11. April 1945 von amerikanischen Truppen befreit wurde. In seinen Büchern verarbeitete er seine Erlebnisse während des Holocausts, dabei spielten Sighet und dessen jüdische Geschichte immer wieder eine Rolle.

[Für eine ausführlichere Darstellung siehe den Exkursionsreader, Seite 231f.]

Stadtgeschichte von Săpânţa

Săpânţa [ungarisch Szaplonca, slowakisch Sapunka, jiddisch Spinka/ Shpinka] ist eine Gemeinde mit 2.093 Einwohnern (Stand 2011) im Kreis Maramureş in Nordrumänien, etwa 2 km vor der ukrainischen Grenze und etwa 18 km von Sighet entfernt.

Die erste urkundliche Erwähnung datiert aus dem Jahr 1373 als Zapancha und 1390 als Zaploncha. Dieser Name soll auf das slawische Wort „solp“ (Stromschnelle) zurückgehen und Bezug nehmen auf einen Seitenarm der Theiß, der durch den Ort hindurchfließt. Zur restlichen Ortsgeschichte lassen sich nur wenige Informationen finden. Aus dem Reisebericht eines Habsburger Offiziers aus dem Jahr 1769 geht hervor, dass in Săpânţa bis zu 120 Edelleute lebten, von denen die Hälfte besitzloser Adel (Amalisten) waren. Die restlichen 676 Einwohner waren Leibeigene.

Außerdem werden 12 Juden mit ihren Familien erwähnt. 1840 lebten 291 jüdische Einwohner in Săpânţa, eine erste Synagige war um 1800 gebaut worden. Um 1870 ließ sich in Săpânţa der Rabbiner Joszef Méir Weisz aus Mukačevo nieder, der von hier aus den Spinkaer Chassidismus entwickelte.

Nachdem Săpânţa 1918 zu Rumänien kam, wurde es 1940 durch den Zweiten Wiener Schiedsspruch wieder Teil Ungarns. 1944 wurden die Juden des Ortes in den deutschen Vernichtungslagern ermordet. Im Jahr 1945 wurde Săpânţa wieder rumänisch.

International bekannt ist Săpânţa für seinen „Fröhlichen Friedhof“ (Cimitirul Vesel), der 1935 bis 1977 von dem einheimischen Künstler Stan Ioan Pătraş (1908–1977) eingerichtet und gepflegt wurde. Heute führt sein Schüler Dumitru Pop-Tincu diese Arbeit fort. Das Besondere an diesem Friedhof sind die bunt bemalten und verzierten Holzkreuze, auf denen handgemalte Abbilder der Verstorbenen und Verse über ihr Leben zu finden sind.

[Für eine ausführlichere Darstellung siehe den Exkursionsreader, Seite 221f.]

– Wettervorhersage::
Monatliche Durchschnittstemperaturen und –niederschläge im September:
– für Sighet: Maximal: 24 °C/ Minimal: 10 °C/ Regentage: 8
– für Săpânţa: Maximal: 20 °C/ Minimal: 9 °C/ Regentage: zahlreiche

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